Als Tourist in Rom – und die Wirtschaft?

Als Tourist in Rom – und die Wirtschaft?

… wie steht es um Italiens Wirtschaft?

Der Fahrer, der uns vom Flughafen abholt, winkt ab, als wir an der Piazza Navona vorbeifahren: Kaum ein Römer geht noch groß essen, geschweige denn dort. „Die Krise hat ihre Spuren hinterlassen“, sagt Antonio. Wie überall trifft die anhaltende Rezension vor allem die Mittelschicht. Ein Espresso, ein Panini, … aber ins Restaurant gehe kaum noch einer.
Die Arbeitenlosenquote ist nicht unwesentlich, die Staatsverschuldung ist ebenfalls angestiegen.
Italiens Volkswirtschaft hat noch immer – oder immer wieder mit dem Einbruch der Wirtschaftsleistung zu kämpfen – ähnlich wie Spanien. Besonders der rasante Anstieg der Jugendarbeitslosigkeitsrate auf über 40 Prozent ist besorgniserregend. Regionale Unterschiede sind nach wie vor zu verzeichnen; besonders im Süden hat die Jugend kaum eine Perspektive.

Der Tourismus
… ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor; mit 26 Mio. Besuchern pro Jahr hat allein die italienische Hauptstadt einiges zu verkraften – aber auch unverzichtbare Einnahmen zu verzeichnen. Wer am Pantheon für ein Aperol Spritz 10 EUR bezahlt, ist (zwangsweise) willkommen. (Auch wenn die Kellner manchem Klischee entsprechen.) Im Ganzen aber werden auch die Touristen vorsichtiger beim Geldausgeben.
Selbst an den Preisen der Straßenhändler kann man sehen, dass Kompromisse gemacht werden. Ihre Preise für Rosen, Spielzeug, Bilder und co. waren schon einmal deutlich höher.

Wie sieht es sonst so aus?
Die üblichen Verdächtigen: Die Arbeitslosigkeit bleibt ein Problem; die Korruption ist noch immer ein trauriges Thema und dann noch die Bankenkrise …; die Angst kehrt 2016 zurück. Itlaiens Wirtschaft bleibt vergleichsweise wackelig: Faule Kredite belasten die Ökonomie. Italien stützt die Banken mit milliardenschweren Fonds.
Bambini zu teuer? Fakt ist: Kinder werden immer weniger geboren. Circa 1,4 Geburten pro Frau – damit liegt Italien deutlich unter zum Beispiel Frankreich.

Und was konsumiert der Durchschnittsitaliener?
Er trägt bald Shorts – zumindest laut italienischen Statistikbüro Istat. Es nahm die kurze Hose in einen Warenkorb auf, der die Preisentwicklung misst – ebenso wie Tätowierungen. Diese fiktiven Warenkörbe helfen Statistiker zu ermitteln, wie sich Verbraucherpreise und somit Inflationsrate verändern. 1500 „alltägliche“ Produkte sind im Korb enthalten; Preise aus 80 unterschiedlichen Städten werden eruiert. Produkte, die nicht mehr dem Durchschnitt entsprechen werden aussortiert – Nachtzügezum Beispiel. Hinzugekommen sind dagegen etwa Studentenwohnheime und Wischmops. Im deutschen Warenkorb sind bislang weder Shorts noch Tattoos aufgeführt.
Italien ist, was es immer war: Quirlig, interessant, temperamentvoll – aber leider von der Wirtschaftskrise ebenso wenig ausgenommen, wie viele andere europäische Länder.